Anmerkungen zum Volksbegehren Artenschutz “Rettet die Bienen“ aus der Sicht der Jäger

  • Blühfläche eingesät mit Mischung Artenschutzprogramm des Landesjagdverbandes

    Blühfläche eingesät mit Mischung Artenschutzprogramm des Landesjagdverbandes

  • Blühwiese Mai 2019 im Naturschutzgebiet Bodenseeufer dominiert mit klebrigem Kreuzkraut

    Blühwiese Mai 2019 im Naturschutzgebiet Bodenseeufer dominiert mit klebrigem Kreuzkraut

  • Blühwiese nach später erster Mahd mit Schafgarbe, Wiesenflockenblume und Rotklee im Naturschutzgebiet

    Blühwiese nach später erster Mahd mit Schafgarbe, Wiesenflockenblume und Rotklee im Naturschutzgebiet

  • Hebstbegrünung mit 5 Planzenarten (Ramtillkraut, Wicke, Erbse u.a.)

    Hebstbegrünung mit 5 Planzenarten (Ramtillkraut, Wicke, Erbse u.a.)

Erstellt am 20.10.2019

Die moderne Landwirtschaft hat sich zur maschinengerechten Landwirtschaft entwickelt mit immer größeren Bewirtschaftungsfläche insbesondere im Ackerbau . Im Ackerbau kommen nur noch wenige Pflanzenarten zum Anbau: Mais, Getreide, neu Soja. Hackfrüchte fehlen fast gänzlich. Um den Insekten und auch der übrigen freilebenden Tierwelt wie insbesondere dem Rebhuhn, dem Fasan, den Vögeln überhaupt und dem Feldhasen zum Überleben zu helfen, nützt es nicht, nur den Pestizideinsatz und die Düngung einzuschränken sondern es müssen spezielle Blühflächen  in der Ackerflur eingebracht werden und die Blühwiesen durch Mahdeinschränkungen und Beweidung gefördert werden. In den Blühwiesen in meinem Jagdrevier habe ich im vergangenen Sommer über 40 Blühpflanzen bestimmt, in Wiesen die beweidet wurden und in Wiesen im Naturschutzgebiet, die erst nach dem 1. Juni gemäht werden dürfen.

 

Wir Jäger haben mit Landwirten in Baden-Württemberg die „Allianz fürs Niederwild“ gestartet. Das Projekt startete am 18. Oktober 2018 als Modellregion „Mittlere und Westliche Fildern“. Über das Förderprogramm Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) des MLR wird der Landwirt unterstützt,  wenn er eine Blüh-, Brut- und Rückzugsfläche von mindestens 0,5 ha anlegt. In dieser Flächewird die Mischung M3 eingesät, die 33 mehrjährige Blüh- und Kräuterpflanzen enthält. Über den Winter sollte die Hälfte stehen bleiben und alternierend im folgenden Frühjahr Neueinsaat. Auf diesen Flächen ist ein Planzenschutz- und Düngeeinsatz nicht erlaubt. Die Fläche soll 5 Jahre so bleiben. Wenn solche Flächen sinnvoll in der Ackerflur verteilt angelegt werden, dann wird die gesamte freilebende Tierwelt zum Überleben unterstützt.

 

Der Deutsche Jagdverband (DJV) forderte anläßlich der Agrarministerkonferenz vor kurzem in Mainz, dass Biodiversität und Artenschutz künftig als landwirtschaftliches Produktionsziel festzuschreiben ist und der Landwirt dafür fair zu entlohnen ist. Die Artenvielfalt profitiert durch Erhalt mehrjähriger Brachen mit heimischen Wildkräutern, Wildpflanzen als Ersatz von Mais für die Biogaserzeugung und Blühstreifen in großen Feldern insbesondere in großen Maisschlägen.

 

Über FAKT werden zusätzlich auch einjährige Blühflächen mit Mischungen M1 oder M2 unterstützt, die aber bis Ende November umgeplügt werden dürfen und im Winter dann keinen zusätzlichen Schutz bieten. Eine Ad-hoc Studie zur faunistischen Bewertung von FAKT- Blühmischungen aus dem Institut für ländliche Strukturforschung der Uni Frankfurt a.M., der Uni Freiburg und der Uni Würzburg August 2019 haben ergeben, dass für FAKT Blühmischungen im Vergleich zu Grünland geprägten Vergleichsflächen im Hinblick auf Vorkommen von Bienen und Schmetterlingen ein positiver Effekt nachgewiesen werden konnte. Der positive Einfluss der FAKT Mischungen ist sehr wahrscheinlich mit der dort erhöhten Blütenzahl zu erklären.

 

Über FAKT werden auch Herbstbegrünungen mit Mischungen von 5 Pflanzenarten bezuschusst, die aber auch bis Ende November umgepflügt werden dürfen.

 

Über die EU wurde das „Greening“ eingeführt. Der Landwirt muss bei über 15 ha Ackerbauflächenbewirtschaftung 5% als Ökologische Vorrangfläche (ÖVF) anlegen, um in den Genuss von Prämien zu kommen. Auch hier werden die Anlagen von Blühflächen unterstützt.

 

Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, hat bestimmt schon solche schön blühenden Flächen gesehen.

 

Nur durch solche Maßnahmen kann der freilebenden Tierwelt geholfen werden; dazu gehört auch, dass der Flächenverbrauch drastisch verringert wird. In BW  sind 15% der Fläche bereits der Natur entnommen.

 

Dr. Störzer

 

 

Literatur:

Informationen zu ackerbaulichen Maßnahmenn in FAKT und Greening Juli 2019 – Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg, Karlsruhe

Ad-hoc Studie zur faunistischen Bewertung von FAKT Blühmischungen August 2019

Institut für ländliche Strukturforschung Uni Frankfurt a.M., Uni Freiburg, Uni Würzburg

Rebhuhn-Quo vadis?  Rene Greiner, Anna Wischemann, Landinfo 3/2019

 

Alle  Fotos: Störzer

 

Erstellt am 20.10.2019
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